Käuferfinanzierung beim Firmenverkauf: Warum Unternehmenswert und finanzierbarer Kaufpreis nicht dasselbe sind
Ein Unternehmer lässt seine Firma bewerten. Die Ertragslage ist stabil, die Perspektiven sind gut und die Unternehmensbewertung ergibt eine attraktive Kaufpreisspanne.
Im Verkaufsprozess findet sich anschließend ein Interessent, der diese Preisvorstellung grundsätzlich akzeptiert.
Trotzdem kann die Transaktion scheitern.
Denn zwischen der Frage „Was ist mein Unternehmen wert?“ und der Frage „Kann dieser konkrete Käufer den vereinbarten Kaufpreis tatsächlich finanzieren?“ besteht ein erheblicher Unterschied.
Gerade beim Verkauf kleinerer und mittelgroßer inhabergeführter Unternehmen wird dieser Punkt häufig unterschätzt. Ein Unternehmenswert kann wirtschaftlich nachvollziehbar sein. Ein Interessent kann diesen Wert ebenfalls akzeptieren. Das bedeutet jedoch noch nicht, dass er den daraus abgeleiteten Kaufpreis aus Eigenmitteln, Fremdkapital oder einer Kombination verschiedener Finanzierungsbausteine darstellen kann.
Für Verkäufer ist deshalb nicht nur die Höhe eines Angebots entscheidend.
Mindestens ebenso wichtig ist die Frage, wie belastbar der Kaufpreis finanziert ist und welcher Betrag dem Verkäufer tatsächlich zu welchen Bedingungen zufließt.
Kurz gesagt: Warum ist die Käuferfinanzierung beim Firmenverkauf so wichtig?
Unternehmenswert, angebotener Kaufpreis und finanzierbarer Kaufpreis sind nicht automatisch identisch.
Ein Unternehmen kann beispielsweise einen wirtschaftlich gut begründbaren Unternehmenswert besitzen. Trotzdem kann die Finanzierung für einen bestimmten Kaufinteressenten schwierig werden, wenn beispielsweise
- seine Eigenmittel begrenzt sind,
- die nachhaltige Ertragskraft des Unternehmens nicht ausreichend erscheint,
- die Finanzierung einen zu hohen Kapitaldienst erfordern würde,
- erhebliche Investitionen notwendig sind,
- zusätzliches Working Capital finanziert werden muss,
- hohe Kundenkonzentrationen bestehen,
- das Unternehmen stark vom bisherigen Inhaber abhängig ist oder
- Bonität und Finanzierungsmöglichkeiten des Erwerbers begrenzt sind.
Für den Verkäufer folgt daraus eine zentrale Erkenntnis:
Das höchste Kaufpreisangebot ist nicht automatisch das wirtschaftlich beste Angebot. Entscheidend ist auch, ob und unter welchen Bedingungen der Käufer diesen Kaufpreis tatsächlich bezahlen kann.
Warum Kaufpreis und Finanzierung bei Unternehmensnachfolgen zunehmend relevant werden
Die Einigung auf einen Kaufpreis gehört nach aktuellen Daten von KfW Research zu den relevanten Herausforderungen bei Unternehmensnachfolgen.
Im Nachfolge-Monitoring Mittelstand 2025 nennen 30 Prozent der Unternehmen die Einigung auf einen Kaufpreis als Hürde. Gleichzeitig sind die durchschnittlichen Kaufpreisvorstellungen der Unternehmer gegenüber 2019 deutlich gestiegen. Für geplante Nachfolgen zwischen 2025 und 2029 liegt der durchschnittlich angestrebte Verkaufspreis laut KfW bei rund 499.000 Euro. Dabei handelt es sich ausdrücklich um die Vorstellungen der Verkäufer und nicht um tatsächlich realisierte Transaktionspreise.
Quelle: KfW Research – Nachfolge im deutschen Mittelstand
Die KfW weist außerdem darauf hin, dass jährlich rund 109.000 mittelständische Unternehmen bis Ende 2029 eine Nachfolgeregelung anstreben.
Damit treffen am Nachfolgemarkt unterschiedliche Interessen aufeinander:
Der Verkäufer möchte einen angemessenen Preis für sein Lebenswerk erzielen.
Der Käufer muss diesen Preis wirtschaftlich rechtfertigen und finanzieren können.
Und ein Finanzierungspartner muss überzeugt sein, dass die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung einen möglichen Kapitaldienst trägt.
Gerade deshalb reicht es vor einem Unternehmensverkauf nicht, ausschließlich eine möglichst hohe Bewertung anzustreben.
Es geht um einen marktgerechten und transaktionsfähigen Wert.
Unternehmenswert ist nicht gleich Kaufpreis
Um die Bedeutung der Käuferfinanzierung zu verstehen, sollten zunächst vier verschiedene Größen voneinander getrennt werden.
1. Der Unternehmenswert
Eine professionelle Unternehmensbewertung vor dem Firmenverkauf ordnet den wirtschaftlichen Wert eines Unternehmens auf Basis geeigneter Bewertungsverfahren ein.
Abhängig vom Unternehmen können beispielsweise
- Ertragswertverfahren,
- Discounted-Cashflow-Verfahren,
- Multiplikatorverfahren,
- Substanzwertansätze oder
- Kombinationen verschiedener Bewertungslogiken
zur Anwendung kommen.
Auch die IHK Region Stuttgart weist darauf hin, dass es kein allgemeingültiges Verfahren gibt, mit dem sich der Wert eines Unternehmens eindeutig bestimmen lässt. Unterschiedliche Verfahren können abhängig von Branche, Unternehmensgröße und Situation sinnvoll sein.
Eine Bewertung liefert daher keine Kaufpreisgarantie.
Sie schafft vielmehr einen wirtschaftlich begründeten Orientierungsrahmen.
2. Der tatsächlich verhandelte Kaufpreis
Der Kaufpreis entsteht erst zwischen einem konkreten Käufer und Verkäufer.
Dabei können Faktoren eine Rolle spielen, die eine rein rechnerische Bewertung nicht vollständig abbildet.
Ein strategischer Käufer kann beispielsweise besondere Synergien sehen.
Ein anderer Käufer bewertet dieselben Strukturen möglicherweise deutlich kritischer.
Auch Wettbewerb zwischen mehreren Interessenten kann die Preisfindung beeinflussen.
Der Markt entscheidet deshalb letztlich mit darüber, welcher Preis tatsächlich erzielt werden kann.
3. Der finanzierbare Kaufpreis
Danach folgt eine weitere Ebene:
Kann dieser konkrete Käufer den ausgehandelten Kaufpreis auch finanzieren?
Ein strategischer Erwerber, ein Management-Buy-in-Kandidat, das bestehende Management oder ein Finanzinvestor können ein und dasselbe Unternehmen betrachten und trotzdem über völlig unterschiedliche Finanzierungsmöglichkeiten verfügen.
Genau deshalb gehört Käuferprofiling zu einer professionellen M&A-Beratung im Mittelstand.
4. Der tatsächlich beim Verkäufer ankommende Kaufpreis
Auch ein finanzierter Kaufpreis sagt noch nicht zwangsläufig, welcher Betrag dem Verkäufer unmittelbar zufließt.
Ein Kaufpreis kann sich beispielsweise zusammensetzen aus:
- Zahlung beim Closing,
- später fälligen Kaufpreisraten,
- Verkäuferdarlehen,
- erfolgsabhängigem Earn-out oder
- anderen aufgeschobenen Kaufpreisbestandteilen.
Deshalb ist insbesondere beim Vergleich mehrerer Angebote die Frage wichtig:
Wie viel Kaufpreis ist sicher, wann wird er bezahlt und welches wirtschaftliche Risiko verbleibt beim Verkäufer?
Nicht jeder Interessent ist bereits ein finanzierungsfähiger Käufer
Ein Kaufinteressent kann das Unternehmen strategisch interessant finden und einen attraktiven Kaufpreis nennen. Für den Verkäufer ist damit jedoch noch nicht geklärt, ob der Interessent die Transaktion tatsächlich finanzieren und erfolgreich zum Abschluss bringen kann.
Mit fortschreitendem Verkaufsprozess sollte deshalb zunehmend transparent werden, wer wirtschaftlich hinter dem Kauf steht, welche Eigenmittel vorhanden sind, welche Fremdfinanzierung benötigt wird, wie weit Gespräche mit Finanzierungspartnern fortgeschritten sind und welche Bedingungen bis zum Closing noch erfüllt werden müssen.
Besonders wichtig wird diese Prüfung vor einer weitgehenden Exklusivität. Denn stellt sich erst nach mehreren Monaten Due Diligence heraus, dass der bevorzugte Interessent den Kaufpreis nicht darstellen kann, verliert der Verkäufer möglicherweise nicht nur Zeit, sondern auch alternative Käufer.
In unserem vertiefenden Fachbeitrag zeigen wir, wie Verkäufer Kaufinteressenten schrittweise qualifizieren, welche Finanzierungsnachweise sinnvoll sein können und auf welche Warnsignale bei LOI, Finanzierung und Exklusivität geachtet werden sollte.
Kapitaldienstfähigkeit: Die Finanzierung muss aus der zukünftigen Ertragskraft tragbar sein
Dieser Zusammenhang ist für die Käuferfinanzierung zentral.
Wird ein Teil des Unternehmenskaufs mit Fremdkapital finanziert, müssen nach der Übernahme Zins und Tilgung geleistet werden.
Die IHK Region Stuttgart stellt bei der Erläuterung des Ertragswertverfahrens deshalb ausdrücklich auf die künftige Ertragskraft und Kapitaldienstfähigkeit des Unternehmens ab.
Nach der dort beschriebenen Logik darf ein Kaufpreis nur so hoch sein, dass aus den erwirtschafteten Ergebnissen sowohl die im Unternehmen erforderlichen Investitionen als auch Zins und Tilgung des Unternehmenskaufs finanziert werden können.
Das ist für Verkäufer ein entscheidender Punkt.
Ein Unternehmen kann methodisch einen bestimmten Wert besitzen.
Wenn der daraus resultierende Kaufpreis bei einem bestimmten Käufer jedoch zu einem Kapitaldienst führt, der aus den nachhaltig verfügbaren Mitteln nicht getragen werden kann, kann die Finanzierung schwierig oder unmöglich werden.
EBITDA ist nicht automatisch verfügbarer Cashflow
Gerade im M&A-Prozess wird häufig über EBITDA gesprochen.
Das EBITDA ist eine wichtige betriebswirtschaftliche Kennzahl und wird auch bei Unternehmensbewertungen eingesetzt.
Es beantwortet jedoch nicht allein die Frage, wie viel Liquidität nach der Übernahme tatsächlich für Zins und Tilgung zur Verfügung steht.
Vom operativen Ergebnis können beispielsweise noch Mittel benötigt werden für
- Steuern,
- Ersatzinvestitionen,
- Erweiterungsinvestitionen,
- Working Capital,
- zusätzliche Managementkosten,
- saisonale Finanzierungsspitzen oder
- sonstigen betriebsnotwendigen Kapitalbedarf.
Für die Käuferfinanzierung ist daher nicht nur entscheidend, wie hoch das Ergebnis ist, sondern auch:
Wie viel nachhaltiger Cashflow kann das Unternehmen unter realistischen Annahmen tatsächlich erwirtschaften?
Warum dieses Thema bei Mini- und Small-Caps besonders relevant ist
Bei kleineren Unternehmensverkäufen ist der Käufermarkt häufig heterogener als bei großen Transaktionen.
Neben etablierten strategischen Unternehmen kommen beispielsweise infrage:
- Branchenunternehmen,
- Wettbewerber,
- Management-Buy-in-Kandidaten,
- das bestehende Management im Rahmen eines MBO,
- Unternehmer auf der Suche nach einer weiteren Beteiligung,
- Family Offices oder
- kleinere Beteiligungsgesellschaften.
Welche Käufergruppen tatsächlich relevant sind, hängt stark von Unternehmen, Branche, Ertragskraft, Größe, Organisation und Kaufpreisvorstellung ab.
Gerade deshalb ist es problematisch, einen Unternehmensverkauf ausschließlich auf eine möglichst hohe Bewertung auszurichten.
Ein theoretisch hoher Unternehmenswert hilft wenig, wenn der dazu passende Käuferkreis zu klein ist oder ein wesentlicher Teil der Interessenten den Kaufpreis nicht darstellen kann.
Mehr zu den Besonderheiten kleinerer Transaktionen finden Sie in unserem Beitrag Mini-Cap verkaufen – so gelingt der Verkauf kleiner Firmen.
Strategischer Käufer und privater Nachfolger verfügen über unterschiedliche Möglichkeiten
Für den Verkäufer ist wichtig zu verstehen, dass nicht jeder Kaufinteressent finanziell dieselbe Ausgangslage besitzt.
Strategischer Käufer
Ein bestehendes Unternehmen, das einen Wettbewerber oder ein ergänzendes Unternehmen übernimmt, kann gegebenenfalls
- eigene Liquidität einsetzen,
- bestehende Finanzierungslinien nutzen,
- zusätzliche Bankfinanzierungen aufnehmen oder
- Synergien aus der Transaktion berücksichtigen.
Ein strategischer Käufer kann daher unter Umständen einen anderen wirtschaftlichen Nutzen aus der Übernahme ziehen als ein einzelner Nachfolger.
Das bedeutet jedoch nicht, dass jeder strategische Käufer automatisch einen höheren Kaufpreis bezahlt.
Auch strategische Erwerber besitzen Investitionskriterien, Budgets und Renditeanforderungen.
Management-Buy-in – MBI
Bei einem Management-Buy-in übernimmt ein externer Unternehmer oder Manager ein bestehendes Unternehmen.
Hier kann die Finanzierung des Kaufpreises eine besonders wichtige Rolle spielen.
Neben der Qualität des Zielunternehmens können unter anderem
- Eigenmittel,
- Erfahrung,
- Bonität,
- Businessplan und
- Finanzierungskonzept
des Kaufinteressenten relevant werden.
Ein fachlich hervorragender Manager ist deshalb noch nicht automatisch ein finanzierungsfähiger Unternehmenskäufer.
Management-Buy-out – MBO
Beim Management-Buy-out wird das Unternehmen durch das bestehende Management oder geeignete Führungskräfte übernommen.
Das kann erhebliche Vorteile hinsichtlich Kontinuität, Kundenbeziehungen und Unternehmenskenntnis besitzen.
Die Finanzierungsfrage bleibt jedoch bestehen.
Auch ein langjähriger Geschäftsführer verfügt nicht zwangsläufig über ausreichend Eigenmittel, um den gewünschten Kaufpreis vollständig darzustellen.
Eine Übersicht über MBO, MBI und weitere Verkaufsvarianten finden Sie in unserem vollständigen Leitfaden zum Firmenverkauf.
Nachhaltige Ertragskraft ist wichtiger als ein einzelnes gutes Geschäftsjahr
Für Käufer und deren Finanzierungspartner ist nicht entscheidend, ob das Unternehmen einmal ein außergewöhnlich gutes Jahr erzielt hat.
Die wichtigere Frage lautet:
Welches Ergebnis kann auch nach dem Eigentümerwechsel voraussichtlich nachhaltig erwirtschaftet werden?
Deshalb werden im M&A-Prozess häufig Ergebnisnormalisierungen vorgenommen.
Einmaleffekte können analysiert und gegebenenfalls bereinigt werden.
Dabei muss eine Normalisierung jedoch in beide Richtungen funktionieren.
Es wäre falsch, lediglich außergewöhnliche Kosten herauszurechnen und zukünftige zusätzliche Belastungen zu ignorieren.
Ein Beispiel: Was kostet der Ersatz des bisherigen Inhabers?
Angenommen, ein Unternehmer übernimmt heute persönlich
- Geschäftsführung,
- Vertrieb,
- wichtige Kundenbeziehungen und
- Teile des operativen Managements.
Seine bisherige Vergütung entspricht möglicherweise nicht dem Betrag, den ein Käufer zukünftig für einen externen Ersatz dieser Funktionen aufbringen müsste.
Nach dem Verkauf können dadurch zusätzliche Personalkosten entstehen.
Aus Käufersicht stellt sich deshalb nicht nur die Frage:
„Was hat das Unternehmen bisher verdient?“
Sondern:
„Was verdient dieses Unternehmen unter einer realistischen Führungsstruktur nach dem Ausscheiden des bisherigen Inhabers?“
Das ist eine wesentliche Grundlage für eine belastbare Käuferfinanzierung.
Inhaberabhängigkeit kann damit auch zum Finanzierungsrisiko werden
Die Abhängigkeit vom bisherigen Eigentümer wird häufig ausschließlich als organisatorisches Problem betrachtet.
Sie kann jedoch unmittelbar die zukünftige Ertragskraft betreffen.
Wenn der Inhaber
- die wichtigsten Kunden persönlich betreut,
- wesentliche Aufträge selbst akquiriert,
- kritisches technisches Know-how besitzt,
- Angebote kalkuliert und
- sämtliche wichtigen Entscheidungen trifft,
entsteht für den Käufer eine zentrale Frage:
Bleiben Umsatz und Ergebnis nach dem Ausscheiden des Verkäufers stabil?
Ist die Antwort darauf unsicher, steigt das Risiko der zukünftigen Cashflows.
Aus diesem Grund kann eine rechtzeitige Reduzierung der Inhaberabhängigkeit nicht nur die Verkaufsfähigkeit, sondern auch die Finanzierbarkeit einer Transaktion verbessern.
Welche Werthebel vor einem Exit grundsätzlich relevant sein können, erläutern wir ausführlicher unter Unternehmenswert vor dem Firmenverkauf steigern.
Auch die Kundenkonzentration kann die Finanzierung beeinflussen
Nehmen wir zwei Unternehmen mit ähnlichem Umsatz und vergleichbarem EBITDA.
Unternehmen A besitzt eine breite Kundenbasis.
Bei Unternehmen B stammen große Teile von Umsatz und Ergebnis von einem einzigen Auftraggeber.
Historisch können die Ergebnisse beider Firmen ähnlich aussehen.
Das zukünftige Risiko ist jedoch unterschiedlich.
Verliert Unternehmen B den Großkunden, kann sich die Ertrags- und damit auch die Kapitaldienstfähigkeit erheblich verändern.
Die Finanzierungsfähigkeit hängt deshalb nicht nur von der Höhe des Ergebnisses ab.
Auch die Qualität und Risikostruktur dieses Ergebnisses ist relevant.
Working Capital: Der Käufer muss möglicherweise mehr als nur den Kaufpreis finanzieren
Ein weiterer häufig unterschätzter Punkt ist das Working Capital.
Nach der Übernahme muss das Unternehmen weiterhin ausreichend finanzielle Mittel für den laufenden Geschäftsbetrieb besitzen.
Relevant können beispielsweise sein:
- Forderungen,
- Vorräte,
- unfertige Leistungen,
- laufende Projekte,
- Zahlungsziele,
- saisonale Schwankungen und
- kurzfristige Verbindlichkeiten.
Der Finanzierungsbedarf eines Käufers endet daher nicht zwingend beim Kaufpreis.
Er muss gegebenenfalls zusätzlich sicherstellen, dass das Unternehmen nach dem Closing über eine angemessene operative Finanzierung verfügt.
Mehr zur Kaufpreisrelevanz dieses Themas erläutern wir im Beitrag Working Capital beim Unternehmensverkauf.
Auch der Investitionsbedarf gehört in die Finanzierungsrechnung
Ähnliches gilt für Investitionen.
Ein Unternehmen kann heute ein attraktives Ergebnis ausweisen und trotzdem unmittelbar nach der Übernahme erheblichen Kapitalbedarf besitzen.
Beispiele können sein:
- Maschinenersatz,
- IT-Systeme,
- Fuhrpark,
- Standortinvestitionen,
- Digitalisierung,
- notwendige Zertifizierungen oder
- sonstiger Modernisierungsbedarf.
Wurden Investitionen vor dem Verkauf jahrelang verschoben, verbessert das die Finanzierbarkeit des Unternehmenskaufs nicht.
Im Gegenteil:
Der Käufer muss Kaufpreis und zukünftigen Kapitalbedarf wirtschaftlich zusammen betrachten.
Förderprogramme können Bestandteil einer Finanzierung sein
Bei Unternehmensnachfolgen können auch öffentliche Förderprogramme eine Rolle spielen.
Die KfW bietet beispielsweise aktuell den ERP-Förderkredit Gründung und Nachfolge (077) an. Dieser kann ausdrücklich unter anderem für die Übernahme eines gewerblichen Unternehmens oder eine tätige Beteiligung eingesetzt werden.
Daneben existieren weitere Finanzierungs- und Fördermöglichkeiten.
Wichtig für Verkäufer ist allerdings:
Die Existenz eines Förderprogramms bedeutet noch nicht, dass der konkrete Unternehmenskauf finanziert ist.
Förderfähigkeit, Finanzierungskonzept, Kreditentscheidung und konkrete Bedingungen müssen im Einzelfall geprüft werden.
Ein Verkäufer sollte deshalb einen Interessenten nicht allein deshalb als finanzierungsfähig einstufen, weil dieser Fördermittel einsetzen möchte.
Verkäuferdarlehen: Lösung für eine Finanzierungslücke?
Kann der Käufer den Kaufpreis nicht vollständig zum Closing finanzieren, kommt gelegentlich ein Verkäuferdarlehen ins Gespräch.
Dabei wird ein Teil des Kaufpreises wirtschaftlich vom Verkäufer finanziert.
Beispielsweise wird ein bestimmter Kaufpreis vereinbart, aber ein Teil davon erst über mehrere Jahre zurückgezahlt.
Ein Verkäuferdarlehen kann eine sinnvolle Brücke sein.
Es verändert jedoch die wirtschaftliche Position des Verkäufers erheblich.
Denn:
Der betreffende Kaufpreisanteil wurde beim Closing noch nicht endgültig vereinnahmt.
Der Verkäufer trägt für diesen Teil weiterhin ein Ausfallrisiko.
Daher sollten unter anderem
- Laufzeit,
- Verzinsung,
- Tilgung,
- Rang,
- Sicherheiten und
- wirtschaftliche Rückzahlungsfähigkeit
sorgfältig beurteilt werden.
Ein Verkäuferdarlehen macht einen nicht tragfähigen Kaufpreis nicht automatisch tragfähig
Dieser Punkt ist besonders wichtig.
Angenommen, ein Käufer kann einen Kaufpreis von fünf Millionen Euro nicht finanzieren.
Der Verkäufer könnte nun eine Million Euro davon als Verkäuferdarlehen stehen lassen.
Formal kann dadurch möglicherweise eine Transaktionsstruktur entstehen.
Aber:
Die entscheidende wirtschaftliche Frage lautet weiterhin:
Kann das Unternehmen zukünftig sowohl die Bankfinanzierung als auch das Verkäuferdarlehen zuverlässig bedienen?
Ein Verkäuferdarlehen sollte deshalb nicht dazu dienen, einen grundsätzlich zu hohen oder wirtschaftlich nicht tragfähigen Kaufpreis künstlich finanzierbar erscheinen zu lassen.
Earn-out: höherer nomineller Kaufpreis, aber nicht automatisch höherer sicherer Erlös
Eine weitere Kaufpreiskomponente kann ein Earn-out sein.
Dabei wird ein Teil des Kaufpreises nur bezahlt, wenn nach dem Verkauf bestimmte vereinbarte Ziele erreicht werden.
Damit können unterschiedliche Erwartungen über die zukünftige Geschäftsentwicklung überbrückt werden.
Für den Verkäufer entsteht aber ebenfalls ein Unterschied zwischen
nominellem Kaufpreis
und
sicherem Kaufpreis.
Ein Angebot über beispielsweise
- einen hohen festen Betrag plus Earn-out
ist deshalb wirtschaftlich nicht ohne Weiteres mit einem vollständig beim Closing zahlbaren Kaufpreis vergleichbar.
Gerade deshalb sollte bei mehreren Angeboten nicht nur die Überschrift „Kaufpreis“ verglichen werden.
Das indikative Angebot muss mehr enthalten als eine attraktive Zahl
Die Käuferfinanzierung sollte spätestens dann konkreter betrachtet werden, wenn indikative Angebote vorliegen.
Ein indikatives Angebot dient üblicherweise als Grundlage für die Auswahl derjenigen Käufer, mit denen der Verkaufsprozess vertieft wird.
Aus Verkäufersicht sind deshalb unter anderem folgende Fragen relevant:
- Wie hoch ist der angebotene Kaufpreis?
- Welche Kaufpreislogik liegt zugrunde?
- Welche Deal-Struktur ist vorgesehen?
- Wie soll der Kaufpreis finanziert werden?
- Gibt es Finanzierungsvorbehalte?
- Welcher Betrag soll beim Closing bezahlt werden?
- Werden Earn-out oder Verkäuferdarlehen vorausgesetzt?
- Welche Due Diligence ist vorgesehen?
- Welche Bedingungen stellt der Käufer?
Eine ausführlichere Checkliste hierzu finden Sie in unserem Beitrag Indikatives Angebot beim Unternehmensverkauf richtig bewerten und prüfen.
Dort wird die Darlegung der geplanten Finanzierung ausdrücklich als ein Merkmal eines aussagekräftigen indikativen Angebots behandelt.
Besonders kritisch: Exklusivität für einen Käufer mit ungeklärter Finanzierung
Nach Auswahl eines bevorzugten Interessenten möchte dieser häufig für die weiteren Prüfungen und Verhandlungen eine gewisse Exklusivität.
Aus Käufersicht ist das nachvollziehbar.
Er investiert nun erhebliche Ressourcen in
- Due Diligence,
- Finanzierung,
- Vertragsprüfung und
- interne Entscheidungsprozesse.
Für den Verkäufer besitzt Exklusivität allerdings ebenfalls einen Preis:
Er kann während dieser Zeit andere Kaufinteressenten häufig nicht oder nur eingeschränkt weiterverfolgen.
Scheitert die Transaktion anschließend an der Käuferfinanzierung, kann der Verkäufer Monate verlieren und muss möglicherweise frühere Interessenten erneut ansprechen.
Deshalb sollte die Finanzierungsfähigkeit des bevorzugten Käufers spätestens vor einer weitreichenden Exklusivitätsvereinbarung ausreichend plausibilisiert werden.
Finanzierungsvorbehalt im LOI: Verkäufer sollten genau hinsehen
Ein weiterer wichtiger Punkt ist der Finanzierungsvorbehalt.
Steht ein Kaufangebot oder Letter of Intent sinngemäß unter der Voraussetzung,
„vorbehaltlich erfolgreicher Finanzierung“,
ist die Finanzierung noch nicht final gesichert.
Das muss nicht automatisch problematisch sein.
Gerade bei fremdfinanzierten Übernahmen kann ein Finanzierungsprozess parallel zur Due Diligence laufen.
Der Verkäufer sollte jedoch verstehen:
- Welcher Finanzierungsbedarf besteht?
- Welche Finanzierungspartner sind bereits eingebunden?
- Wie weit ist der Prozess fortgeschritten?
- Welche Informationen werden noch benötigt?
- Welche Bedingungen müssen erfüllt werden?
- Wann soll die Finanzierung stehen?
- Welche Folgen hat ein Scheitern der Finanzierung?
Die wichtigsten Begriffe rund um LOI, EBITDA, Due Diligence, Signing und Closing erläutern wir auch im M&A-Glossar zum Firmenverkauf.
Nicht jeder Interessent sollte vollständigen Zugang zum Unternehmen erhalten
Die Finanzierungsfähigkeit ist auch ein Thema der Prozesssteuerung.
Ein Verkäufer sollte sensible Informationen nicht unkontrolliert an jeden Marktteilnehmer geben, der grundsätzlich Interesse äußert.
Ein professioneller Verkaufsprozess arbeitet deshalb stufenweise.
Typischerweise werden zunächst
- Käuferprofil,
- strategische Plausibilität,
- ernsthaftes Interesse und
- grundsätzliche Transaktionsfähigkeit
geprüft.
Erst mit zunehmender Ernsthaftigkeit erhält ein Interessent weitergehende Informationen.
In der späteren Due Diligence bei kleinen Unternehmen werden Finanzdaten, Verträge, Risiken und weitere relevante Sachverhalte dann deutlich intensiver geprüft.
Wann sollte die Finanzierungsfähigkeit des Käufers geprüft werden?
Nicht erst kurz vor dem Closing.
Die Prüfung sollte mit zunehmender Intensität parallel zum Verkaufsprozess erfolgen.
Phase 1: Erste Käuferqualifikation
Passt der Interessent grundsätzlich zu Unternehmensgröße, Kaufpreis und Transaktionsart?
Phase 2: Indikatives Angebot
Wie soll die Transaktion finanziert werden und welche Bedingungen nennt der Käufer?
Phase 3: Shortlist
Welche Käufer verbinden attraktiven Kaufpreis mit realistischer Transaktionsfähigkeit?
Phase 4: LOI und Exklusivität
Wie weit ist die Finanzierung vorbereitet und welche Vorbehalte bestehen noch?
Phase 5: Due Diligence und Vertragsphase
Sind Finanzierung und Transaktionsstruktur weiterhin konsistent mit den Ergebnissen der Unternehmensprüfung?
Diese Logik entspricht auch einem strukturierten Sell-Side-M&A-Prozess, in dem Käuferansprache, indikative Angebote, Shortlist, Due Diligence und Verhandlung aufeinander aufbauen.
Wie kann ein Verkäufer die Finanzierungsfähigkeit eines Käufers beurteilen?
Der Verkäufer muss nicht selbst zum Bankberater werden.
Er sollte aber zusammen mit seinem M&A-Berater verstehen, wie belastbar die wirtschaftliche Umsetzung des Angebots ist.
Je nach Käufer und Prozessphase können dabei folgende Punkte betrachtet werden.
Käuferstruktur
Wer kauft tatsächlich?
Eine bestehende Unternehmensgruppe, eine Privatperson, das Management, eine Beteiligungsgesellschaft oder eine eigens gegründete Erwerbsgesellschaft?
Eigenmittel
Welchen Anteil der Transaktion möchte und kann der Erwerber aus eigenen Mitteln darstellen?
Fremdfinanzierung
Welcher Teil soll über Banken oder andere Finanzierungspartner finanziert werden?
Status der Finanzierung
Befindet sich die Finanzierung noch auf der Ebene einer ersten Idee oder laufen bereits konkrete Gespräche?
Bedingungen
Welche Voraussetzungen müssen Banken, Investoren oder andere Kapitalgeber noch prüfen?
Kaufpreisstruktur
Welcher Teil des Kaufpreises fließt beim Closing?
Verkäuferdarlehen
Wird ein Verkäuferdarlehen lediglich als Option diskutiert oder ist es Voraussetzung des Angebots?
Earn-out
Welcher Kaufpreisanteil hängt von zukünftigen Entwicklungen ab?
Zeitplan
Ist der Finanzierungsprozess realistisch mit dem geplanten Transaktionszeitplan vereinbar?
Warum das höchste Angebot nicht automatisch das beste Angebot ist
Nehmen wir zwei vereinfachte Angebote.
Käufer A bietet einen höheren nominellen Kaufpreis, benötigt aber
- umfangreiche Fremdfinanzierung,
- ein Verkäuferdarlehen,
- einen erheblichen Earn-out und
- einen Finanzierungsvorbehalt.
Käufer B bietet einen etwas niedrigeren Kaufpreis, kann diesen aber weitgehend zum Closing zahlen und verfügt über eine deutlich belastbarere Finanzierung.
Welches Angebot ist besser?
Das lässt sich allein anhand der nominellen Kaufpreiszahl nicht beantworten.
Ein professioneller Angebotsvergleich sollte unter anderem berücksichtigen:
- Kaufpreishöhe,
- Cash at Closing,
- Verkäuferdarlehen,
- Earn-out,
- Finanzierungsvorbehalte,
- sonstige Bedingungen,
- Haftungsregelungen,
- Übergabeverpflichtungen,
- Transaktionsgeschwindigkeit und
- Closing-Wahrscheinlichkeit.
Genau deshalb lautet eine wichtige Regel im M&A-Prozess:
Nicht Kaufpreisangebote vergleichen – sondern wirtschaftliche Gesamtpakete.
Welche Rolle spielt Cash at Closing?
Für Verkäufer ist eine Kennzahl besonders verständlich:
Wie viel Geld fließt beim tatsächlichen Vollzug der Transaktion?
Dieser Betrag kann erheblich vom nominell kommunizierten Gesamtkaufpreis abweichen.
Beispielsweise können Teile des Kaufpreises
- später fällig sein,
- erfolgsabhängig sein,
- zurückbehalten werden oder
- als Darlehen beim Käufer verbleiben.
Deshalb sollte bei Kaufpreisverhandlungen immer zwischen Gesamtgegenleistung und sicherer Zahlung zum Closing unterschieden werden.
Was kann der Verkäufer selbst tun, um die Finanzierbarkeit seines Unternehmens zu verbessern?
Die Finanzierung des Unternehmenskaufs ist grundsätzlich Aufgabe des Käufers.
Trotzdem kann der Verkäufer dafür sorgen, dass Käufer und deren Finanzierungspartner das Zielunternehmen möglichst klar beurteilen können.
Nachhaltige Ertragskraft nachvollziehbar darstellen
Normalisierungen sollten belastbar und erklärbar sein.
Unternehmensplanung realistisch aufbauen
Die Planung sollte auf nachvollziehbaren operativen Annahmen beruhen.
Working Capital transparent machen
Der Käufer muss verstehen, welcher Kapitalbedarf für den normalen Geschäftsbetrieb besteht.
Investitionsbedarf offen darstellen
Notwendige Investitionen sollten berücksichtigt statt verschoben werden.
Inhaberabhängigkeit reduzieren
Je besser das Unternehmen ohne den Verkäufer funktioniert, desto stabiler können zukünftige Cashflows beurteilt werden.
Kundenrisiken kennen
Kundenkonzentrationen sollten transparent analysiert werden.
Zahlen und Dokumentation vorbereiten
Jahresabschlüsse, BWA, Planungen und operative Kennzahlen sollten miteinander plausibel sein.
Diese Punkte gehören gleichzeitig zu einer professionellen Vorbereitung des Firmenverkaufs.
Das CGS Exit Assessment betrachtet unter anderem Finanzdaten, Kundenstruktur, Abhängigkeiten, Organisation, Dokumentation und Verkaufsreife bereits vor Beginn aktiver Käufergespräche.
Verkaufsfähigkeit und Finanzierungsfähigkeit hängen zusammen
Dieser Zusammenhang wird häufig unterschätzt.
Ein gut vorbereitetes Unternehmen ist nicht nur einfacher zu verkaufen.
Es kann auch für einen Finanzierungspartner leichter zu beurteilen sein.
Relevant sind beispielsweise:
- stabile Ergebnisentwicklung,
- nachvollziehbare Ertragsqualität,
- transparente Zahlen,
- geringe Inhaberabhängigkeit,
- diversifizierte Kundenstruktur,
- professionelles Management,
- realistische Planung,
- klarer Investitionsbedarf und
- transparentes Working Capital.
Je geringer die Unsicherheit über zukünftige Cashflows ist, desto fundierter kann die wirtschaftliche Tragfähigkeit einer Finanzierung beurteilt werden.
Das bedeutet nicht, dass bessere Vorbereitung automatisch zu einer Finanzierungszusage führt.
Aber sie schafft eine bessere Informationsgrundlage.
Käuferfinanzierung sollte bereits die Verkaufsstrategie beeinflussen
Ein professioneller Unternehmensverkauf beginnt deshalb nicht mit einer möglichst langen Käuferliste.
Zunächst sollte geklärt werden:
Welche Käufergruppen passen wirtschaftlich, strategisch und finanziell zu diesem Unternehmen?
Das Käuferprofil sollte unter anderem berücksichtigen:
- Unternehmensgröße,
- Branche,
- Kaufpreiskorridor,
- strategischen Fit,
- möglichen Synergien,
- Managementstruktur,
- geografische Anforderungen,
- Finanzierungsmöglichkeiten und
- gewünschte Rolle des Verkäufers nach der Transaktion.
Erst danach sollte die konkrete Käuferansprache beginnen.
Warum Wettbewerb zwischen mehreren Käufern wichtig bleibt
Die Prüfung der Finanzierungsfähigkeit bedeutet nicht, möglichst früh nur noch mit einem einzigen Interessenten zu sprechen.
Im Gegenteil.
Ein strukturierter Prozess versucht zunächst, mehrere qualifizierte Käufer in den Prozess zu bringen.
Dadurch lassen sich
- Kaufpreisvorstellungen,
- Transaktionsstrukturen,
- Finanzierung,
- strategische Vorstellungen und
- Bedingungen
miteinander vergleichen.
Die Hauptseite Firma verkaufen mit CGS zeigt den entsprechenden Prozess von der Kaufpreisspanne über Käuferansprache und Due Diligence bis zur Verhandlung und zum Closing.
CGS beschreibt dort die Auswahl geeigneter Käufer und die Verhandlung von Preis, Struktur und Bedingungen ausdrücklich als miteinander zusammenhängende Bestandteile des Firmenverkaufs.
Sieben typische Fehler von Verkäufern bei der Käuferfinanzierung
Fehler 1: Unternehmenswert als garantierten Kaufpreis betrachten
Eine Bewertung ist eine wirtschaftliche Entscheidungsgrundlage.
Der Marktpreis entsteht erst im Verkaufsprozess.
Fehler 2: Nur den höchsten Kaufpreis betrachten
Die Zahlungsstruktur kann mindestens ebenso wichtig sein wie die absolute Höhe.
Fehler 3: Käuferfinanzierung zu spät thematisieren
Wird das Finanzierungsproblem erst nach Monaten entdeckt, sind Zeit und möglicherweise alternative Käufer verloren.
Fehler 4: Zu früh Exklusivität gewähren
Vor einer weitgehenden Exklusivität sollte die grundsätzliche Transaktionsfähigkeit des Käufers plausibel sein.
Fehler 5: Verkäuferdarlehen wie Cash behandeln
Ein zukünftiger Rückzahlungsanspruch ist wirtschaftlich nicht dasselbe wie Geld auf dem Konto beim Closing.
Fehler 6: Übertriebene EBITDA-Bereinigungen
Finanzierungspartner werden nachvollziehbare nachhaltige Ergebnisse sehen wollen und nicht nur eine möglichst hohe bereinigte Kennzahl.
Fehler 7: Zukünftigen Kapitalbedarf unterschätzen
Investitionen und Working Capital müssen nach dem Unternehmenskauf weiterhin finanziert werden.
Zehn Fragen, die Verkäufer bei einem ernsthaften Kaufinteressenten klären sollten
Mit fortschreitendem Verkaufsprozess sollten Verkäufer insbesondere folgende Punkte verstehen:
- Wer ist der wirtschaftliche Käufer?
- Welche Käuferstruktur ist vorgesehen?
- Wie soll der Kaufpreis grundsätzlich finanziert werden?
- Welcher Eigenmitteleinsatz ist geplant?
- Welche Fremdfinanzierung wird benötigt?
- Sind Finanzierungspartner bereits eingebunden?
- Welche Finanzierungsvorbehalte bestehen?
- Welcher Betrag wird beim Closing bezahlt?
- Sind Verkäuferdarlehen oder Earn-out Bestandteil der Transaktion?
- Welche Voraussetzungen müssen bis zum Closing noch erfüllt werden?
Nicht jede Frage muss beim ersten Kontakt abschließend beantwortet sein.
Mit zunehmender Exklusivität sollte jedoch auch die Finanzierung zunehmend belastbar werden.
Unternehmenswert, Kaufpreis, Finanzierung und Nettoerlös zusammendenken
Für einen Verkäufer lassen sich vier zentrale Fragen unterscheiden.
1. Was ist mein Unternehmen wert?
→ Unternehmensbewertung vor dem Firmenverkauf
2. Ist mein Unternehmen bereits optimal verkaufsfähig?
→ Firmenverkauf vorbereiten – Exit Assessment
3. Welche Faktoren könnten Wert und Käuferattraktivität noch verbessern?
→ Unternehmenswert vor dem Firmenverkauf steigern
4. Wie wird daraus ein strukturierter Wettbewerb zwischen geeigneten Käufern?
Erst wenn diese Ebenen zusammengedacht werden, entsteht eine belastbare Verkaufsstrategie.
Fazit: Der beste Käufer ist nicht zwingend derjenige mit dem höchsten Angebot
Ein hoher Unternehmenswert ist eine gute Ausgangsposition.
Er reicht für einen erfolgreichen Firmenverkauf jedoch nicht aus.
Die entscheidende nächste Frage lautet:
Gibt es geeignete Käufer, die diesen Wert nicht nur akzeptieren, sondern den daraus entstehenden Kaufpreis auch wirtschaftlich darstellen können?
Gerade bei Mini- und Small-Cap-Unternehmen kann die Finanzierungsfähigkeit den realistischen Käuferkreis wesentlich beeinflussen.
Dabei wirken verschiedene Faktoren zusammen:
- nachhaltige Ertragskraft,
- Cashflow,
- Kapitaldienstfähigkeit,
- Käuferbonität,
- Eigenmittel,
- Investitionsbedarf,
- Working Capital,
- Inhaberabhängigkeit,
- Kundenstruktur und
- Kaufpreisgestaltung.
Förderprogramme, Verkäuferdarlehen oder Earn-out-Strukturen können Finanzierungsmöglichkeiten erweitern.
Sie ersetzen aber kein wirtschaftlich tragfähiges Finanzierungskonzept.
Deshalb sollte ein Verkäufer Kaufinteressenten nicht nur danach beurteilen, was sie bieten.
Er sollte ebenso wissen:
Wie soll dieser Kaufpreis bezahlt werden?
Welcher Betrag fließt beim Closing?
Welche Bedingungen sind noch offen?
Welches Risiko verbleibt beim Verkäufer?
Und:
Wie wahrscheinlich ist es, dass dieser Käufer die Transaktion tatsächlich abschließen kann?
Ein nominell etwas niedrigeres, weitgehend finanziertes und transaktionssicheres Angebot kann für einen Verkäufer wirtschaftlich attraktiver sein als der höchste Kaufpreis auf dem Papier.
Sie planen einen Firmenverkauf? Prüfen Sie Unternehmenswert und Käufermarkt gemeinsam
Wer über einen Unternehmensverkauf nachdenkt, sollte deshalb nicht nur fragen:
„Was ist meine Firma wert?“
Ebenso wichtig sind:
- Welche Käufergruppen kommen realistisch infrage?
- Wie finanzierbar ist die Kaufpreisspanne?
- Welche Käufer besitzen strategische Synergien?
- Ist ein MBI oder MBO wirtschaftlich realistisch?
- Welche Unternehmensrisiken könnten eine Finanzierung erschweren?
- Welche Kaufpreisstruktur sollte akzeptiert werden?
- Welche Finanzierungsvorbehalte sind kritisch?
- Wie lässt sich Wettbewerb zwischen mehreren qualifizierten Käufern erzeugen?
Mit einer professionellen Unternehmensbewertung und unserem Exit Assessment zur Vorbereitung des Firmenverkaufs lässt sich die Ausgangslage bereits vor dem Marktgang strukturiert einordnen.
Wenn das Unternehmen verkaufsfähig ist, begleiten wir anschließend den vollständigen Firmenverkauf – von Kaufpreislogik und Verkaufsstrategie über diskrete Käuferansprache und Due Diligence bis zu Verhandlung, Signing und Closing.
Häufig gestellte Fragen zur Käuferfinanzierung beim Firmenverkauf
Ist der Unternehmenswert automatisch der spätere Kaufpreis?
Nein. Die Unternehmensbewertung liefert eine wirtschaftliche Wertorientierung oder Wertbandbreite. Der tatsächlich erzielte Kaufpreis entsteht erst durch den Markt und die Verhandlungen mit konkreten Interessenten.
Warum kann ein Käufer einen angemessenen Unternehmenswert trotzdem nicht finanzieren?
Die Finanzierung hängt nicht nur vom Unternehmenswert ab. Relevant sind unter anderem nachhaltige Cashflows, Kapitaldienstfähigkeit, Investitionsbedarf, Working Capital, Käuferbonität, vorhandene Eigenmittel und die Anforderungen der jeweiligen Finanzierungspartner.
Ist EBITDA entscheidend für die Käuferfinanzierung?
Das EBITDA kann eine wichtige Kennzahl sein, reicht für eine Finanzierungsbetrachtung aber allein nicht aus. Unter anderem Investitionen, Steuern, Working Capital und weitere Mittelabflüsse können beeinflussen, welcher Cashflow tatsächlich zur Verfügung steht.
Welche Käufer können einen Firmenverkauf finanzieren?
Das hängt von der jeweiligen Transaktion ab. Infrage kommen beispielsweise strategische Unternehmen, MBI- und MBO-Kandidaten, Family Offices und Beteiligungsgesellschaften. Die finanziellen Möglichkeiten und Investitionskriterien unterscheiden sich erheblich.
Kann die KfW einen Unternehmenskauf unterstützen?
Ja. Die KfW verfügt über Förderprogramme, die auch Unternehmensnachfolgen und Unternehmensübernahmen umfassen. Ob ein konkretes Vorhaben förderfähig und finanzierbar ist, muss individuell geprüft werden.
Was ist ein Verkäuferdarlehen beim Firmenverkauf?
Bei einem Verkäuferdarlehen stellt der Verkäufer wirtschaftlich einen Teil der Transaktionsfinanzierung zur Verfügung. Dieser Teil des Kaufpreises wird nicht sofort vollständig bezahlt, sondern entsprechend den vereinbarten Bedingungen später zurückgeführt.
Ist ein Verkäuferdarlehen riskant?
Ja, es beinhaltet grundsätzlich ein Ausfallrisiko. Deshalb sollten unter anderem Tilgung, Verzinsung, Laufzeit, Rang und mögliche Sicherheiten geprüft werden.
Was bedeutet Finanzierungsvorbehalt beim Firmenverkauf?
Ein Finanzierungsvorbehalt bedeutet, dass der Käufer seine Verpflichtung oder sein Angebot davon abhängig macht, dass die geplante Finanzierung zustande kommt. Für den Verkäufer ist deshalb wichtig, den Stand des Finanzierungsprozesses zu verstehen.
Wann sollte die Finanzierungsfähigkeit eines Kaufinteressenten geprüft werden?
Eine erste Einschätzung sollte bereits Bestandteil der Käuferqualifikation sein. Mit fortschreitendem Verkaufsprozess sollte die Finanzierung zunehmend konkretisiert werden. Spätestens vor einer weitreichenden Exklusivität sollte die grundsätzliche Finanzierung plausibel erscheinen.
Ist der Käufer mit dem höchsten Kaufpreis immer der beste Käufer?
Nein. Neben der absoluten Kaufpreishöhe sind unter anderem Cash at Closing, Finanzierungssicherheit, Earn-out, Verkäuferdarlehen, Bedingungen, Haftung und Abschlusswahrscheinlichkeit relevant.
Wie kann ich mein Unternehmen auf eine Käuferfinanzierung vorbereiten?
Hilfreich sind insbesondere transparente Finanzdaten, nachvollziehbare nachhaltige Erträge, realistische Unternehmensplanung, transparente Working-Capital-Anforderungen, nachvollziehbarer Investitionsbedarf und eine möglichst geringe Abhängigkeit vom bisherigen Inhaber.
Warum ist die Käuferfinanzierung bei kleineren Unternehmen besonders relevant?
Bei kleineren Unternehmensverkäufen können sehr unterschiedliche Käufergruppen infrage kommen. Ein strategisches Unternehmen verfügt über andere Finanzierungsmöglichkeiten als beispielsweise ein einzelner MBI-Kandidat. Deshalb kann die Finanzierbarkeit den tatsächlich erreichbaren Käuferkreis wesentlich beeinflussen.
Quellen
KfW Research – Nachfolge-Monitoring Mittelstand 2025
Aktuelle Daten zu Nachfolgeplanungen, Kaufpreisvorstellungen und Nachfolgehemmnissen im deutschen Mittelstand.
IHK Region Stuttgart – Unternehmensbewertung bei der Nachfolge
Informationen zu Bewertungsmethoden, zukünftiger Ertragskraft und Kapitaldienstfähigkeit.
IHK Region Stuttgart – Checkliste Unternehmensnachfolge
Hinweise für Verkäufer und Käufer, unter anderem zur finanziellen Situation des Nachfolgers und dessen Finanzierungsmöglichkeiten.
KfW – ERP-Förderkredit Gründung und Nachfolge (077)
Informationen zur Förderung von Existenzgründungen und Unternehmensnachfolgen.
Stand der genannten Marktdaten und Förderinformationen: August 2026. Förderbedingungen und Programme können geändert werden. Bei einer konkreten Transaktion müssen die jeweils aktuellen Voraussetzungen und die individuelle Finanzierungsstruktur geprüft werden

